Göcklingen kräht

Deutsche Gockelkrähmeisterschaft

Kreis Südliche Weinstraße  (2013)      

        

Die wilden Hühner

ortstermin: Rekordschrei bringt Lokalmatador Michael Huber den Sieg bei der ersten  Göcklinger Krähmeisterschaft von sebastian kapp
 

göcklingen. Markdurchdringend, so jubelte Michael Huber am Sonntag, als das Ergebnis des ersten Göcklinger Wettkrähens verkündet wurde. Hätte es noch einen Beweis seiner technischen Brillanz gebraucht, hier war er. Nun darf er sich stolz „Obergockel“ nennen.Und da die Veranstalter trotz intensiver Recherchen deutschlandweit keinen vergleichbaren Wettbewerb gefunden haben, kann sich Huber sogar inoffiziell als „Deutscher Meister im Krähen“ bezeichnen. Am Sonntag krähten in Göcklingen während des Weinfestes keine männlichen Vögel – so das Wappentier des Dorfes –, sondern ausgewachsene menschliche Gockel. Und sie machten den Natur-Weckern ordentliche Konkurrenz.Allen voran natürlich Michael Huber, der als selbsternannter Favorit ins Rennen ging. „Ich bin siegessicher und zeige euch jetzt mal, wie ein echter Hahn kräht“, so der Lokalmatador, den nicht nur der Heimvorteil zum Sieg trug. Auch sein gepresst wirkender Schrei, den er hahnengleich ins Mikrofon brüllte, beeindruckte. Denn mit einer fantastischen Atemtechnik gelang ihm ein wahrer Kraftakt und ein Schrei, den die Konkurrenz einfach nicht mehr toppen konnte. Dazu schraubte der 23-Jährige seine Stimme in derart luftige Höhen, dass selbst der echte Hahn „Fritz“, den ein Zuschauer eigens mitgebracht hatte, vor Neid erblasste.

Dabei war die Konkurrenz hart. Joachim Schreiber, der Vorsitzende des Göcklinger Männergesangsvereines, erreichte am Ende den zweiten Platz. Hier war die Atemtechnik eines Profis zu spüren und sein Schrei hatte genug Durchschlagskraft, um den Wettkampf spannend zu gestalten. Schnell forderte das Göcklinger Publikum eine Zugabe. Trotz nur des Vizesiegs war er „überglücklich, überhaupt so weit gekommen zu sein“.

Das Stockerl komplettierte dann das wohl schillerndste Huhn des Wettkampfes – Heide Häusler. Die Gleisweilerin trat nicht etwa beim Team-Entscheid für Hühnerfrauen an, sondern in der Gockel-Einzelwertung. Gerhard Hoffmann, Wettkampfleiter und „der Gockel auf dessen Mist das alles gewachsen ist“, so Ortsbürgermeister Fritz Garrecht, ließ sie gewähren. Ihm sei die Idee vor einem Jahr nach einigen Gläsern Wein gekommen, zunächst als Juniorenwettbewerb. Doch den Erwachsenen habe die Idee mehr zugesagt. So wie Heide Häusler. Eingehüllt in ein rotes Handtuch, das sie wie Flügel bewegte, versuchte sich die Gleisweiler Henne im Krähen. Mit ihrer selbst kreierten Zwerchfell-Drucktechnik konnte sie sich zumindest Platz drei erschreien.

Wilde Techniken wie der Weissmüller-Tarzan-Schrei, das saubere „Kikeriki“ oder das beinahe schreilose Stolzieren der anderen Teilnehmer konnten dagegen nicht überzeugen – das „Applausometer“ ließ keine Zweifel am Ergebnis. Triumphator Huber war dementsprechend überglücklich, dass sich die harte Arbeit nun bezahlt gemacht hat. „Die Konkurrenz war schon hart“, so Huber, der versprach, seinen Titel nächstes Jahr verteidigen zu wollen.

Im Hennen-Team-Gackern setzten sich die vier Mädels des Hühnerstalls „Maschinenring im Einsatz“ aus Freckenfeld mit einer verblüffenden choreografischen Vorstellung durch, gackerten mit einem hühneresken Text („gackgackgack“) den Klassiker „Old McDonald has a farm“ nach, dabei mit Mützen in Form von Hennen bekleidet und mit einer überragenden Präsenz auf der mitgebrachten Hühnerleiter. Damit gelang ihnen ein fulminanter Sieg über die Baden-Württembergische Kombo „Lady Gacker“, die nicht minder bunt verkleidet, gegen die Pfälzerinnen aber chancenlos war.

Im Juniorenwettbewerb blieb die Beteiligung mit nur zwei Konkurrenzteams ähnlich dünn.  Preisgelder wurden nicht ausgezahlt, das eingenommene Geld wird einer vom Hochwasser betroffenen Familie in Deggendorf gespendet.

Quelle

  Ausgabe Die Rheinpfalz -  Pfälzer Tageblatt - Nr.   Datum Dienstag, den 25. Juni 2013



Erster Deutscher Krähwettbewerb in Göcklingen: Michael Huber ist der Krähkönig

25. Juni 2013 | Von Redaktion | Kategorie: Allgemein, Kreis Südliche Weinstraße, Regional

Heidi Heussler aus Gleisweiler: Starkes Timbre, ausdrucksstarke Art. Links von ihr hört der spätere Gewinner Michael Huber andächtig zu.
Fotos: Ahme

Göcklingen. Keiner hätte geglaubt, dass der erste Deutsche Krähwettbewerb in Göcklingen ein so großer Erfolg sein würde. Das hat richtig eingeschlagen und soll natürlich, so wünschen es sich die Veranstalter um den Ideengeber Gerhard Hoffmann, auch im nächsten Jahr wieder stattfinden.

Bei DEM Dorfnamen kein Wunder! Der Hahn, pfälzisch „de Goggel“ ist das Wappentier der Göcklinger, da musste doch irgendwann auch ein Wettbewerb um dieses Tier ins Leben gerufen werden.

Wobei die Dorfchronisten den Namen dieses munteren Dorfes ursprünglich so gar nicht mit einem Gockel in Verbindung brachten, sondern alles auf einen Franken zurückführten namens Gakilo, der sich mit seiner Sippe im Dorf niederließ.

Trotzdem: Die Göcklinger lieben ihre Gockel. Einer von ihnen wurde zur 750-Jahr-Feier endgültig zum Wappentier des Dorfes. Und mit dem Werbespruch „Göcklingen ruft“ war die Verbindung zum Krähen eines Hahns hergestellt. Bei der Vorbesprechung zum Weinfest 2012 wurde die Idee geboren. „Eigentlich war er für Kinder gedacht, aber irgendwie wollten die nicht so recht“ erzählt Gerhard Hoffmann, der ganz zünftig in uriger Landkluft mit großem Schubkarren am Samstag beim Weinfest seinen großen Auftritt hat, den Wettbewerb leitet und die Leistungen auch mit lockeren Sprüchen kommentiert.

Auch Bürgermeister Fritz Garrecht freut sich über die zahlreich erschienenen Gäste, die den Wettbewerb und ihre jeweiligen Favoriten kräftig anspornen. Überall hört man es gackern, krähen, es wird kräftig und ausdauernd geübt. Wer dann mit der Glocke läutet, darf anfangen.

Gockel-Kräh-Wettbewerbe existierten ja bisher nur mit den echten Hähnen. Dass jetzt ein ganzes Dorf plötzlich mit imaginären Flügeln schlägt und einen Stelztanz aufführt, ist allerdings neu, ungewöhnlich und macht allen offensichtlich einen Riesen Spaß.

Preisgelder werden keine ausgezahlt, sie gehen stattdessen an Familien im Hochwassergebiet Deggendorf. Das macht auch nichts, denn hier geht es um die Ehr´. Wer kräht am Schönsten, wer kann sich entsprechend bewegen und wer bekommt am Ende den längsten Applaus?

Heidi aus Gleisweiler will´s den Kerlen zeigen und startet als einzige Frau beim Krähen. Mit voller Inbrunst und schönem Timbre wagt sie es, wird aber nur Dritte, denn in Joachim Schreiber als Zweitplatziertem und Krähkönig Michael Huber, beide aus Göcklingen, hat sie ihre Meister gefunden.

Schön herausgeputzt haben sich die Hennen, die in der zweiten Kategorie starteten. Zwei Frauengruppen, nämlich die Lady Gacker aus dem Kreis Remchingen und die Mädels aus dem Maschinenring Freckenfeld, gackern sich fast die Seele aus dem Leib. Doch nur eine Gruppe kann gewinnen und das ist nun mal der Maschinenring im Einsatz. Und die Kücken! Jonathan und Johannes, beides waschechte Göcklinger sind sehr gut im Gackern, doch Luciana aus Kandel und Jamira aus Mörzheim  haben das fröhlich gestimmte Publikum auf ihrer Seite: Lang anhaltender Applaus für die begabten Nachwuchskräher. (desa)