Göcklingen kräht

Deutsche Gockelkrähmeisterschaft

Göcklingen sucht das Super-Huhn

Verkleidet als Hühner haben sich am Sonntag im südpfälzischen Göcklingen Menschen bei der deutschen Meisterschaft im Gockelkrähen gemessen. Eine Riesengaudi.

Vollen Einsatz gibt dieses "Huhn" bei der Gockelkräh-Meisterschaft in Göcklingen

Wenn die Glocke bimmelt, verstummen die Zuschauer auf dem Göcklinger Festplatz. Den ersten Laut will niemand verpassen. Die Henne holt tief Luft, zieht das Mikro näher an den Mund und drückt ein schrilles "Boooogbogboooooog" aus der Kehle, die Oberlippe vibriert, die Backen blähen, die Augen sind weit aufgerissen. Das Publikum grölt, applaudiert. Ein bisschen verrückt sind hier nicht nur die Teilnehmer.

Wer der beste Gockel in Göcklingen ist, ist am Sonntag eigentlich nur Nebensache. Die Hähne stolzieren in beeindruckenden Federkostümen über den Festplatz, auf vielen Köpfen prangt ein mächtiger, roter Kamm. Jungtiere haben sich orangene Watscheln aus Filz und selbstgenähte Flaumfedern übergezogen, die Hennen tänzeln um die Bierbänke und präsentieren ihr Gefieder. "Ein ausgefallenes Kostüm erhöht die Sieg-Chancen", verrät Veranstalter Gerhard Hoffmann.

Im nächsten Jahr soll es eine EM geben

Wenn sich in der Südpfalz die Hennen im Gackern und Glucksen, die Hähne im Krähen und Stolzieren und die Küken im Krähen und Gackern messen, ist das ein Spektakel. Der Veranstalter schätzt, dass rund 1.300 Menschen dieses Jahr in den Ort strömten, der sonst gerade mal rund 960 Einwohner zählt. Seine Idee, das Göcklinger Weinfest mit dem Gockel-Wettstreit für Touristen attraktiver zu machen, schlug voll ein.

"Uns geht es aber vor allem um den Spaß", sagt der Bio-Winzer in grüner Latzhose und mit rot-glitzernder Fliege. Nächstes Jahr will er das Ganze toppen und die ersten Europäischen Gockelkräh-Meisterschaften austragen. Im Ort nennt man ihn nicht umsonst den "Verrückten aus der Steingasse".

Zwei Wochen Training fürs perfekte Krähen

Eine sechsköpfige Jury kürt die Sieger. Für sie stehen - passend zum Wettkampf - kleine Gockel-Pokale als Preise bereit. Michael Huber schnappte sich 2013 die erste Krone und vertritt heute als einziger Gockel sein Heimatdorf. Er zupft sich nervös an seinen Federn. "Auf der Bühne muss ich meinen Kopf abschalten", sagt er. Zwei Wochen vor dem Wettbewerb begann er mit seinem Training. "Vor dem Spiegel in meinem Zimmer", verrät er. Dann laufe das Krähen schon und beim Stolzieren einfach Brust raus, etwas angeberisch, wie das Hähne eben so machen.

Konkurrenz kriegt der heimische Gockel von den Hähnen aus Zwickau. Die fuhren mit ihren Frauen, ihren "Chicken-Leadern", rund 500 Kilometer in die Pfalz. Sie hörten von dem verrückten Wettbewerb im Radio. Um die Pfälzer für sich zu begeistern, zog die Truppe gestern Abend extra durch die Kneipen. Das erzählt Bernd Müller in breitem Sächsisch.

"Gestern Nacht krähten wir dann vom Balkon unserer Pension herunter, da waren alle begeistert", sagt er. Der 59-Jährige gackert, sein Kumpel Bernd Prager kräht. "Man muss im Leben halt auch mal etwas Verrücktes machen", sagt er. Ihre Frauen gackern lieber nur privat, begleiten ihre Männer aber mit auf die Bühne. Den Schnaps haben sie heute aber "sicherheitshalber" weggelassen.

Beim "Kikeriki" und "Bogbogbog" geht es um Nuancen. Die Jury, unter anderem besetzt mit der ehemaligen Weinkönigin Janina Huhn, hört ganz genau hin. Auch Hans Büchle, der im Publikum steht, kommt aus dem Grinsen nicht heraus, klopft seiner Frau auf die Schultern, gluckst und fasst sich immer wieder vor Lachen an den Bauch. Er und seine Frau sind extra aus Schwaben in die Pfalz gefahren. "Wir haben das in der Zeitung gelesen, das ist ja so unglaublich, ich fass es nicht."


Quelle: SWR-Aktuell Stand: 25.6.2017, 17.34 Uhr